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datenstrom

Der Datenstrom

    Der Datenstrom floss und floss immer. Mal waren weniger Daten auf dem Weg und mal waren es mehr. Er floss immer, immer war er trostlos schwarz, der Datenstrom, der nie aufhörte zu fließen. Flossen die Daten doch immer aus eigener Kraft voran, voran und nie zurück. Ein paar Daten lagen am Rande des Weges und waren auf die anderen angewiesen. Die anderen Daten jedoch scherten sich einen Dreck um sie und flossen weiter. Er floss immer, der Datenstrom, immer trostlos dunkel. Einige Daten flossen anders daher, als die anderen normalen. Sie waren bunt und flossen im Zick-Zack, nicht geradeaus. Die normalen Daten wurden wütend und forderten ihre Löschung. Die Norm musste wieder hergestellt werden. Ruhe und Ordnung im Datenstrom. Er floss immer, der Datenstrom, der immer finster war. Immer geradeaus, immer einer wie der andere. Wer nicht mitfloss, kam in den Papierkorb-Ordner, woraus niemals eine Datei zurückkehrte. Sie wurden gelöscht. Ein Mensch erwachte in diesem Strom und erschrak sich sehr. Er wollte aus diesem schrecklichen Albtraum erwachen, doch er konnte nicht, war er …

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Display-Drops

Fließend fließen die schwarzen Fäden das Türenfenster entlang. Sachte wankt der Wagen in den leichten Kurven. Das Licht flimmert ab und zu. Hier unten ist Licht alles, ohne versinkt alles nur in die Dunkelheit der Fäden. Monoton rattern die Ränder und quietschen in jeder kleinen Kurve, weil sie gegen die Schienen reiben. Unerträglich dieses Geräusch. Irgendwo ist ein Fenster offen. Warum eigentlich? Ein Geruch von alten Staub und Öl, ein Duft wie es ihn nur hier unten gibt. So duftet die Finsternis. Diese Schwärze. Sie schaut aus dem Fenster und ihre Augen folgen den schwarzen Fäden, als würde es hier etwas Besonderes zu sehen geben. Nein, nichts, zwischen den Fäden spiegelt sich einzig ihr Angesicht. Sie steht an einer Tür und lehnt sich gegen eine Trennwand ohne sich festzuhalten. Der fahrende Wagen drückt sie sachte mit dem Rücken gegen die Wand und hält sie fest. In Gedanken hat sie vergessen, dass in ihren Ohren Stöpsel stecken und sie mit ihrer Lieblingsmusik direkt aus ihrem Phone versorgen. Eines hört sich an wie das andere, nur klingen …

buechertrum

Der Bücherturm

In einer Bibliothek   geht ein Mann auf einen anderen zu und meint: »Hallo allerseits, was treiben Sie denn da für einen Unfug ?« Der Mann hat nicht umsonst gefragt, denn der andere Mann baut gerade mit Hilfe von Lexiken einen Turm. »Wieso Unfug?« Beide Männer starren sich verdutzt an. Der etwas verwirrte Mann meint: »Selbstverständlich ist es Unfug als erwachsener Mann noch einen solchen Blödsinn zu machen. Sehen Sie sich doch an: Sitzen hier und stapeln Bücher.« Der verspielte Mann erwidert gelassen-ruhig: » Ja, das kann schon sein, aber was stört es Sie, wenn ich Bücher staple?« »Wieso mich das stört?, das fragen sie seltsamer Vogel noch? Ich störe mich an alles und jeden, und Bücher enthalten Wissen, das Sie lesen sollten und sind nicht dazu da, damit sie Türme daraus stapeln können.« Der andere Mann hat anscheinend jedes Wort gehört, aber stapelt ohne den bereits wütenden Mann zu betrachten weiter. Er stapelt immer schneller und mit immer mehr Freude die Bücher übereinander. Bald fängt der Turm an zu wackeln und der wütende Mann wird …