Monate: März 2015

stiile2

Und dann war es still

Seit dem vergangenen Dienstag überschattete der Absturz des Flugs 4U 9525 alles. Zwei Tage lang kann man fast davon sprechen, dass es keine andere Berichterstattung gab, als über den Absturz. Jeder konnte sich ausführlich darüber informieren lassen, was geschehen ist, wo es geschehen ist, wie es vielleicht geschehen ist, wer betroffen ist, wer betroffen zu sein hat und wer aus Politik und Prominenz sich betroffen zeigte. Jeder durfte davon Zeuge werden, auch wenn er gar nicht wollte. Warum? Nein, nicht warum dieses Unglück sich ereignet hat. Darauf kann kein Gott eine endgültige Antwort finden. Warum habt ihr das getan und warum macht ihr das? Diese Frage ist an alle beteiligten Medienvertreter gerichtet. Euren Auftrag die Öffentlichkeit über das Unglück zu informieren wäre Genüge getan gewesen, hättet ihr in kurzen Berichten erwähnt, dass der Flug von Barcelona nach Düsseldorf über die Alpen abgestürzt ist, wie viele Opfer es wohl gegeben haben könnte, dann hätten noch ein paar Politiker meinetwegen ihrer immerzu fragwürdigen Betroffenheit kurz vor den Kameras Ausdruck verleihen dürfen und das wäre es gewesen; der …

buechertrum

Der Bücherturm

In einer Bibliothek   geht ein Mann auf einen anderen zu und meint: »Hallo allerseits, was treiben Sie denn da für einen Unfug ?« Der Mann hat nicht umsonst gefragt, denn der andere Mann baut gerade mit Hilfe von Lexiken einen Turm. »Wieso Unfug?« Beide Männer starren sich verdutzt an. Der etwas verwirrte Mann meint: »Selbstverständlich ist es Unfug als erwachsener Mann noch einen solchen Blödsinn zu machen. Sehen Sie sich doch an: Sitzen hier und stapeln Bücher.« Der verspielte Mann erwidert gelassen-ruhig: » Ja, das kann schon sein, aber was stört es Sie, wenn ich Bücher staple?« »Wieso mich das stört?, das fragen sie seltsamer Vogel noch? Ich störe mich an alles und jeden, und Bücher enthalten Wissen, das Sie lesen sollten und sind nicht dazu da, damit sie Türme daraus stapeln können.« Der andere Mann hat anscheinend jedes Wort gehört, aber stapelt ohne den bereits wütenden Mann zu betrachten weiter. Er stapelt immer schneller und mit immer mehr Freude die Bücher übereinander. Bald fängt der Turm an zu wackeln und der wütende Mann wird …

Und doch allein

Menschenmassen um mich ragen, Fließen den Hang hinunter, treiben um mich an die Tausend Plagen, Senke den Kopf herunter, Schmerzen, Ängste unüberwunden, Stille Schreie, die verstummen, Nenne mir nur einen Namen, Von den Wesen, die um mich traben, Ich wär glücklich, Eine weiße Maske gewinnt ein Gesicht, Von dem die weiße Farbe bricht, Schrecklich, Wen interessiert’s ob ich lache oder wein? Mach dir nichts vor Mensch, Von Menschenmassen umgeben und doch allein.

Verstehst du das?

Wolken ziehn dahin schaust du ihnen nach? Winde wehen fort nehmen sie dich mit? Regen regnet nieder wäscht er dich rein? Und all der Dreck will nicht runter bleibt an dir kleben Vor dir steht ein nasser Spiegel zerbrochenes Glas Liebe heißt weinen Himmel im Herzen Hölle im Kopf Atemzug Alles fließt verstehst du? wolken werden schwarz kannst du noch sehen? Winde zum sturm kannst du noch stehen? Regen mischt zu rot was hast du getan? und all das rot wird sichtbar salz und tränen Spiegel, wo ist mein gesicht? blutiges Glas Liebe heißt hassen Hölle im Herzen Himmel im Kopf Atemzug Alles fließt Verstehst du? Weiter weiter weiter immer weiter lächle, lache laut tränen tarnen sich heiter heiter heiter immer heiter schweige, lausch dem Lügner ein langer stummer Schrei weiter weiter weiter immer weiter bis zum schluss wo war der Anfang? Leben heißt Schmerz Tränen vor Freude Licht im Schatten Himmel im Traum Hölle auf Erden Angst/besiegen Mut zu Lieben Atemzug Alles fließt Was verstehst du? wolken lösen sich das Licht in deinen Augen …

SAMSUNG

Ein Gespräch über das Schreiben

Allein wandert Ich irgendwo im Nirgendwo daher und sehnt sich nach dem Geruch des Meeres, nach dem schäumenden Aufprall von Wellen, nach Wasser, nach etwas Lebendigen, doch hier gibt es nichts. Nur nichts. Kein Wind, kein echtes Licht. Knarrend läuft Ich über die alte Bühne im geschlossenen Raum, über die schon so viele zuvor gelaufen sind und bleibt stehen. Ein Blick in den Zuschauerraum reicht, es gibt ihn nicht. Ex machina fährt eine Wand hinter Ich herunter und bildet aus dem leeren Nichts einen neuen Hintergrund. Zu sehen ist da ein Deich, wogegen schäumend das Meer schlägt. Und wahrhaftig, das Bild bewegt sich. Das muss eine Leinwand sein, auf der ein Film abgespielt wird. In der Ferne rattert eine Kamera. Schon setzt plötzlich das Rauschen der Wellen ein. Ein O-Ton wird immer und immer wieder abgespielt. Irgendwo her strömt ein salzig kühler Duft in den Raum. Sehr schön, so ist das gleich viel angenehmer. Neben Ich fährt eine Bank aus dem Boden, die so ausgerichtet ist, dass sie eine schöne Aussicht auf die Leinwand bietet. …